![]() |
|
Merkmal eines solches Teams ist, dass ein Team alle Disziplinen beherrscht, die zur Anfertigung eines Produktes notwendig sind. Neben den Entwicklern und Consultants gehören deshalb auch Tester zum Team. Denn die Sichtweise eines Testers unterscheidet sich von jener der Entwickler: Eine möglichst objektive Betrachtungsweise des Endprodukts, welche die Usability, Funktion und den Kontext im Gesamtprodukt ebenso einschließt, wie die technischen Spezifikationen, Einhaltung von Regeln oder Sicherheits-relevante Änderungen.
In klassischen Entwicklungsmodellen geschieht diese Betrachtung oft erst sehr spät. Eine Anforderung wurde aufgenommen, das Entwicklerteam setzte diese um und am Ende wurde das Produkt getestet. Oft zu spät. Neben der eher subjektiv bewertbaren Usability oder Darstellungsfehlern konnte es zu folgeschweren Implikationen anderer Bereiche der Software kommen. Durch direkte Zusammenarbeit innerhalb eines Scrumteams können solche Fehlerquellen bereits bei der Entwicklung verhindert werden. Ob durch gemeinschaftlich geplante Intervalle, sogenannten „Sprints“ und deren Retrospektiven, oder in „Dailys“, täglichen kurzen Treffen des kompletten Teams, erfahren die Tester den aktuellen Stand und können ggf. gezielt intervenieren. Auch arbeitsteilige Verfahren können hierdurch effektiv gestaltet werden: Ein Tester aus dem Scrumteam erstellt für neue Funktionen des Produkts umfangreiche Testfallbeschreibungen, die die technischen sowie die fachlichen Aspekte vereinen. Die Testdurchführung kann dann von anderen Scrum-Teammitgliedern, evtl. auch durch nicht spezialisierten Testern, oder automatisiert erfolgen.
Doch neben diesen offensichtlichen Vorteilen einer agilen Entwicklung, verbergen sich auch potentielle Fallstricke. Der Tester muss die Entwicklungstechnik verstehen, ohne jedoch selbst zum Entwickler zu werden. Seine objektive Sicht wäre hierdurch gefährdet und der Mehrwert eines zeitnahen Tests geschmälert. Die Begutachtung einzelner Fragmente und zu kleiner Einheiten, würde den Blick für das Ganze verschlechtern. Das Phänomen, den Wald vor lauter Bäumen nicht zu sehen, gilt es also tunlichst zu vermeiden. Die Tester stehen so in der Pflicht, die eigene Sichtweise ständig zu reflektieren und zu überwachen.
Bei der GiS mbH wurde die agile Software-Entwicklung erfolgreich eingeführt. Der Lernprozess der Scrumteams hält weiter an. Besonders im Hinblick auf die hohe Komplexität der Produkte, der Priorität von Sicherheitsaspekten und der Flexibilität des Frameworks erscheint der Aufwand nicht zu hoch.




